Über das Projekt

Strukturen des Zugangs definieren nicht nur aktuelle, sondern auch kommende Gemeinschaften. Wer hat heute Zugang, wer nicht und wer bestimmt über die Verteilung? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns im Sommersemester 2023 im Forschungsseminar “ACCESS – Fragen des Zugangs”, angeleitet von Prof. Dr. Violetta Splitter und Prof. Dr. Karin Deckner. Verortet im Masterstudiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation der Fakultät Gestaltung der Universität der Künste Berlin wurden transdisziplinär verschiedene Perspektiven auf Fragen des Zugangs beleuchtet und mögliche Antworten auf diese Fragen diskutiert.

Mit unserer Audioreihe wird der Rundgang 2023 der Universität der Künste zur Bühne zeitgenössischer Diskurse rund um Zugänge. Exemplarisch werden Personen, Objekte oder Codes vorgestellt, welche Zugängliches von Unzugänglichem in Wissenschaft, Kultur und Gerechtigkeit unterscheiden. Die hier zu Wort Kommenden sind Menschen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und Bildungsgraden, die uns unterschiedliche Perspektiven auf die jeweiligen Themenbereiche eröffnen. Trotz dieser Vielfalt, ermöglicht auch diese Audioreihe nur einen begrenzten Einblick in unser Forschungsthema.

Über die Audioreihe

Auf Basis der inhaltlichen Diskurse im Seminar, leiteten wir drei Themenfelder für unser auditives Symposium ab. In diesem kommen Wissenschaftler*innen und Alltagsexpert*innen zu Wort, um zentrale Fragen des Zugangs aus ihrer jeweiligen Perspektive aufzuwerfen und zu beantworten. Beim Hören (oder Lesen) der Beiträge in ihrer Gesamtheit wird deutlich, dass Zugangsstrukturen über die Themenfelder hinweg häufig miteinander verschränkt sind, sich gegenseitig bedingen, oder sogar verstärken, und zudem ähnliche strukturelle Merkmale aufweisen können. Die Audiobeiträge sind als beispielhafte Annäherungen an diese Strukturen zu hören und zu verstehen.

Die gestellten Zugangsfragen befinden sich auf einem thematisch breiten Spektrum, welches von Wissenschaft über Kultur bis hin zu Gerechtigkeit reicht. So werden Zugänge zur Wissenschaft besprochen, zum einen für Studierende, die sich an Hochschulen bewerben, zum anderen für Rezipient:innen von Wissenschaftskommunikation, die mitunter nur schwer verständlich und damit weniger zugänglich ist. Weiter werden verwaltungstechnische Gegebenheiten thematisiert, die sowohl Studierenden, insbesondere internationalen Studierenden, aber auch Lehrenden die Navigation im Universitätssystem teils unnötig verkomplizieren und erschweren. Dazu hören Sie, unter anderem, einen Beitrag von Vertreter*innen des Common Ground einer studentischen Initiative, die ausländische Studierende dabei unterstützt, sich im fokalen universitären System zurecht zu finden.

Im Rahmen des Themenfeldes Kultur, geht es um Fragen des Zugangs zu kulturellen Räumen, wie denen des Theaters, der Oper und Clubs. Beispielsweise beinhaltet die Reihe einen Beitrag einer Vertreterin der Berliner Clubkommission, die darüber spricht, wie Clubs inklusiver und diskriminierungssensibel für alle Menschen gestaltet werden können. Weiter einen Beitrag mit der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Tina Hartmann zu Fragen des Zugangs in Opernhäusern. Die Theaterwissenschaftlerin Antonia Hänsch, die erörtert, inwiefern Theater elitär ist, und damit oftmals Zugänge verweigert.

In einem weiteren Themenfeld eröffnen sich Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Verschiedene Beiträge beschäftigen sich mit Fragen von materiellem Erbe und kulturellem Kapital. Dazu gibt es, unter anderem, einen Beitrag von Autorin Lucy Fricke, die über soziale Mobilität spricht. Ein anderer Beitrag in Form einer fiktiven Erzählung beschäftigt sich mit der „Gerechtigkeit“ des aktuellen Erbrechts, und wie dieses künftig gerechter gestaltet werden könnte. Außerdem stellen wir den Macher*innen des Podcasts „Wir sind Klasse!“ Fragen zum Hintergrund ihres Ansatzes.

In den Beiträgen beantworten unsere Gesprächspartner*innen Fragen – mal in Interviewform, mal in kurzen Monologen – zu vorab gesendeten Fragen, oder lesen kurze Texte, die aus dem Kontext des Seminars erwachsen sind. Diese Beiträge sind stellvertretend für viele weitere Fragen zu betrachten, die im Zusammenhang mit Zugängen thematisiert werden könnten und sollten. Das Ziel dieses Projekts war es dennoch, Zugangsfragen eine zugängliche Plattform zu verschaffen. Um diesem Anspruch, einer möglichst hohen Zugänglichkeit, gerecht zu werden, haben wir die Inhalte transkribiert und ins Englische übersetzt. So hoffen wir, mit den uns aktuell zur Verfügung stehenden Ressourcen, die Inhalte so zugänglich wie möglich, verfügbar gemacht zu haben.

Die Audioreihe findet nicht ohne Grund im Rahmen des Rundgangs der Universität der Künste Berlin statt. Denn auch hier stellen sich viele Fragen des Access. Interventionistisch bespielen wir den UdK-Rundgang und machen ihn zum Canvas zeitgenössischer Zugangsfragen. In Zusammenarbeit mit einem Team der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst haben wir Sticker, Tapes und Plakate entwickelt, die den QR-Code, der zu unserer Audioreihe führt, transportieren. Die visuelle Gestaltung des Codes, mit dem Schlüsselloch in der Mitte, verweist auf die Beiträge, die sich den Websitebesuchenden eröffnen.

Über das Forschungsmodul

Das Seminar „ACCESS – Fragen des Zugangs“, welches im Sommersemester 2024 mit rund 20 Studierenden stattfand, wurde von den Dozent*innen Prof. Dr. Karin Deckner und Prof. Dr. Violetta Splitter angeleitet.

Die Studierenden näherten sich den Themen sowohl aus theoretischer, wie auch aus der Perspektive eigener Erfahrungen bzw. Bezugspunkten. So bildeten Texte von u.a. Andreas Reckwitz und Pierre Bourdieu den Grundstein für das konzeptionelle Verständnis, um davon ausgehend aktuelle Sachverhalte und soziobiografische Erlebnisse zu diskutieren. Erweitert wurde das Verständnis zudem durch literarische Texte, wie Essays aus dem Sammelband „Klasse und Kampf“ sowie durch Auseinandersetzung mit Studien zu den Themen räumliche Organisation von Geflüchtetencamps, und einer empirischen Untersuchung von Klassenzugehörigkeit von CEOs in deutschen Unternehmen. Auf diese Art entwickelten die Studierenden eigene Konzepte von Zugängen, die in diese Audioreihe Eingang gefunden haben. Im Einzelnen wurden zunächst Konzepte aus der Soziologie betrachtet, wobei hier besonders auf die Kapitalarten von Pierre Bourdieu eingegangen wurde. Zudem wurde mit Sophie Hein von den Albert-Schweitzer-Kinderdörfern, der meist als selbstverständlich angesehene Zugang zu Familie besprochen. Im Folgetermin wurde mit Texten aus dem Sammelband “Diven, Hacker, Spekulanten, Sozialfiguren der Gegenwart“ die Diskussion vertieft.

An diese Betrachtungen schloß sich das Thema Klasse und soziale Mobilität an. Hierzu wurde unter anderem der Text von Andreas Reckwitz „Von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft zur Drei-Klassen-Gesellschaft: Neue Mittelklasse, alte Mittelklasse und prekäre Klasse“ vorgestellt und diskutiert. Schwerpunkte der folgenden Sitzung waren politische, künstlerische und juristisch/aktivistische Zugänge. Die Anwältin Sarah Imani (LL.M. am European Center for Constitutional and Human Rights, kurz ECCR) gab einen Einblick in ihre Arbeit als Juristin bei der erwähnten Menschrechtsorganisation. Interessant war hierbei auch die Verschränkung zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen Methoden, die sie uns anhand der projektbezogenen Zusammenarbeit zwischen dem ECCHR und Forensic Architecture vorstellte.

Eine andere Betrachtungsweise unserer Seminarinhalte zeigte uns der Künstler Johannes Büttner der mit uns über seine Auseinandersetzung mit der Gig Economy in seinen Installationen „The Factory“ und „Platform“ sprach. Auch die Materialität von Zugängen wurde diskutiert, die sich besonders in Form von Schlüsseln, Türen, Pforten, aber auch, zunehmend unsichtbar, in Form von Zugangscodes oder Chipkarten zeigt. Darüber hinaus wurde versucht, den Studierenden auch weitere theoretische Betrachtungen bzw. Annährungen an phänomenologische und anthropologische Forschung näher zu bringen.

Die folgende Sitzung beleuchtete Zugänge durch räumliche Organisation, deren Ausgangspunkt eine Studie zum Aufbau von Geflüchtetencamps war. Auch hier konnten die Studierenden mit Co-Autorin Tania Räcker ihre Gedanken zu der genannten Studie besprechen, und weiterführende Fragen stellen. Dem schloß sich die Betrachtung von organisationalem Umgang mit der gesellschaftlichen Forderung nach Zugang an, wofür Eindrücke zum Text „Introduction: Critically interrogating inclusion in organisations“ von Adamson und Kollegen geschildert worden. Mit der Lektüre von Patricia Hill Collins „Black Feminist Thought“ beschäftigten wir uns mit intersektionalen Themen von Inklusion und Exklusion.

Weiterhin tauschte sich das Seminar mit Dominik van Aaken zu dessen Studie „Differences between CEOs: A Social-Class Perspective on CEOs’ Industry Affiliation in Germany“ aus, und beleuchteten auf Basis vorheriger Sitzungen seine empirischen Erkenntnisse zu Klasse, Habitus, Zugehörigkeit und Mobilität.

Einen Überblick über unsere Literatur gibt es hier

Über das Format Audiosymposium

Zu Beginn des Forschungsmoduls war ein Symposium im Live-Format geplant. Unser größter Anspruch an diese Veranstaltung war es, die Inhalte, dem Thema entsprechend, möglichst niederschwellig und barrierefrei zugänglich zu gestalten. Vor diesem Hintergrund wurden innerhalb des Kurses Überlegungen zu Ort und Aufbau des Formats angestellt. Aus dem Seminar heraus formulierte sich zudem der Wunsch, das Veranstaltungsformat in den Rundgang zu integrieren und damit den Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, am UdK-Standort Hardenbergstraße präsenter zu machen.

Die Konzeption dieses Formats war herausfordernd: Bei der Terminfindung für ein Live-Format müssen nicht nur alle Studierenden, sondern auch diverse Speaker*innen und ein möglichst breites Publikum von Interessierten, die alle einen unterschiedlichen Arbeits- und Lebensalltag haben, berücksichtigt werden. So kam die Idee einer Aufzeichnung des Gesprochenen ins Spiel.

Da es sich um ein Studierendenprojekt mit einem knappen zeitlichen Umfang von etwa drei Monaten sowie mit stark limitierten finanziellen Ressourcen handelte, musste eine Umsetzung in diesem fest abgesteckten Rahmen möglich sein. Die Aufzeichnung eines Live-Events wäre nicht so möglich gewesen, dass die qualitativen Ansprüche gesichert wären. In Anbetracht der limitierten Ressourcen sowie dem Einbezug des wichtigen Parameters Zugänglichkeit entschieden wir uns für ein auditives Format, welches sich leicht in das bestehende Rundgangformat integrieren ließ und darüber hinaus über die Website zugänglich ist, übersetzt und weiterverarbeitet werden kann. Mit dieser basisdemokratisch gefällten Entscheidung war die Grundlage für eine produktive Ausarbeitung geschaffen, denn die Beiträge konnten in Themenclustern und Kleingruppen produziert werden.